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Evangelisch-Lutherische Kirche Moosburg a.d. Isar
(letzter Update: 22.02.2012)
 
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(Die Paramente unserer
Kirche in Moosburg)
Pfarrer Thomas Hegner
 
Pfarrer in Wartenberg von 1999 bis 2004
 
Worte zu Pfingsten
 
Liebe Leserin, lieber Leser,

für Weihnachten ist der Weihnachtsmann zuständig, für Ostern der Osterhase. Aber wer kümmert sich um Pfingsten? Wer besetzt da den Platz in den Auslagen der Geschäfte? Sie wissen es nicht? Nun, das ist keine Schande. Für Pfingsten gibt es keine allseits bekannten Symbolfiguren. Höchstens vielleicht Strandtücher. Oder vereinzelt: ein paar Tauben.
Nicht nur wegen dieser Tauben erinnert das Pfingstfest neben Ostern und Weihnachten an Aschenputtel. Ein Fest, das seit jeher nicht viel her macht. Schon das allererste Pfingsten, so erzählt das Neue Testament, löste bei den Augen- und Ohrenzeugen mehr Verwirrung denn Festfreude aus. Als Petrus und seine Mitstreiter mit neu gewonnenem Mut und frischer Begeisterung sich erstmals anschickten, die Kunde vom auferstandenen Herrn in die Welt zu tragen, mußten sie sich sogleich herben Spottes erwehren. Ob sie denn schon in aller Frühe zu viel des süßen Weines...?
Diesen Spott hat Petrus so wenig verdient wie das Pfingstfest seine weitgehende Mißachtung in unseren Tagen. An Pfingsten feiern wir den Geburtstag der Kirche - jenes Geschehen, in dessen Verlauf die ob Jesu Tod schockierten, ob seiner Auferstehung sprachlosen Anhänger ihre Lähmung überwanden und begonnen, den Propheten aus Nazareth in aller Welt als Sohn Gottes zu bezeugen. Ohne Pfingsten keine Kirche. Was für protestantisches Denken mitunter so schlimm gar nicht scheint.
"An Gott glaube ich schon, aber das kann ich am besten alleine, in der Natur. Und die Kirche..." Unsere katholischen
 
thomas hegner

Geschwister haben oft ein unbefang- eneres Verhältnis zu ihrer Kirche.
Ein befreundeter Priester erklärte mir das so: wenn Gott, wie wir glauben, Mensch geworden ist, weil er uns Gutes will, dann hat er danach auch dafür sorgen wollen, dass die Erinnerung an Jesus wach gehalten wird - und dazu gibt es die Kirche.
Kirche, das ist auch Amt, das ist auch Verwaltung, Institution und Bürokratie. Aber zu allererst ist Kirche eine Gemeinschaft von Menschen, die animiert wird und inspiriert vom Geist Gottes, der in ihr weht. Freilich: wo immer Menschen zusammen sind, da kann es auch "menscheln". Und doch - im Miteinander in der Gemeinde, bei der gemeinsamen Feier eines Gottesdienstes, im Engagement der vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter spüre ich den Geist Gottes. Den Geist, der Liebe und Achtsamkeit lehrt, Toleranz und den Mut zum Einstehen für Frieden und Gerechtigkeit.
Pfingsten meint deswegen mehr als die Feier eines lange zurück liegenden Ereignisses. Pfingsten bedeutet mir auch heute Ermutigung und Beauftragung zugleich - der Geist Gottes weht heute, er kann Sie und mich in Bewegung bringen, dass wir zu „Mitarbeitern“ werden an einer Welt, in der Menschen es immer mehr lernen, gut miteinander zu leben.
Ich grüße Sie ganz herzlich und wünsche Ihnen nach dem Oster- ein gesegnetes Pfingstfest.
Thomas Hegner, Pfr.
Wein
zum Abendmahl
 
Den Gottesdienstbesuchern unter Ihnen ist es aufgefallen: seit einigen Monaten wird während der Abendmahlsfeier auch Wein gereicht. Eine Änderung der bisherigen Praxis, das Abendmahl ausschließlich mit Hostie und Traubensaft zu feiern. Weswegen diese Neuerung?
In der Vergangenheit wurde an den Kirchenvorstand immer wieder die Bitte herangetragen, doch auch die Feier mit Wein zu ermöglichen. So wurde nun der Entschluß gefaßt, zur Feier des Abendmahls zunächst für ein halbes Jahr neben dem Saft auch Wein zu verwenden.
Die Entscheidung gingen ausführliche Gespräche voraus. Schließlich bricht sie mit einer in Moosburg 16 und auch in Wartenberg nun schon sechs Jahren währenden Tradition. Anfang der 80er Jahre war in unserer Kirchengemeinde der Abendmahlswein durch nichtalkoholischen Saft ersetzt worden, um auch Kindern und allen anderen, die aus verschiedenen Gründen keinen Alkohol zu sich nehmen können oder möchten, die Teilnahme am Abendmahl zu ermöglichen. Saft statt Wein, das bekundete Sensibilität und Solidarität. Die Wiedereinführung des Abendmahlsweines, könnte das nicht als ein Rückschritt, gar die Einführung einer Zwei-Klassen-Gesellschaft im Abendmahl mißverstanden werden?
Doch der Wunsch, das Abendmahl auch mit Wein feiern zu können, stand deutlich im Raum. Die Teilnahme an der Feier des Abendmahles ist eine mit vielen Emotionen verbundene Handlung. Im Empfinden manches Gemeindegliedes gehören Abendmahl und Wein zusammen - da prägen eigene Erinnerungen, sowie die biblischen Berichte vom ersten Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern und Jüngerinnen als jüdisches Passamahl mit Brot und Wein feierte.
 
Es waren nicht zuletzt Erfahrungen aus anderen Gemeinden, die dem Kirchenvorstand für seine Entscheidung von Nutzen waren. Vielerorts ist die nun auch bei uns gefundene Regelung, das Abendmahl zunächst in Form von Hostien und Saft, in einer späteren Runde dann mit Hostien und Wein auszuteilen, bereits gängige Praxis. Durch die gemeinsame Feier der Abendmahlsliturgie erleben sich auch Gottesdienstbesucherlnnen, die das Abendmahl in zwei oder mehr aufein- anderfolgenden Runden feiern, als Teil der einen, feiernden Abendmahlsge- meinde.
Wenn es nun künftig beim Gang zum Abendmahl in der Entscheidung des Einzelnen liegt, in welche Runde er sich einreiht, dann wird darin auch etwas vom reformatorischen Glaubensverständnis sichtbar: zum mündigen Christsein gehören Freiheit und Verantwortung jedes Einzelnen in Fragen seiner Religiosität und seines Glaubensvollzuges; von Seiten der Gemeindeleitung ist diese Freiheit zu respektieren, wo sie andere nicht verletzt.
Dass es gelinge, einander in den unterschiedlichen Entscheidungen zu respektieren, jede und jeden, ob jung oder alt, als gleichwertiges Glied in der Gemeinschaft der Gläubigen zu achten und einem Denken in Klassen zu wehren, das bleibt zu wünschen. Eine dauerhafte Entscheidung in dieser sensiblen Frage sollte von einer möglichst breiten Basis in der Gemeinde mitgetragen werden können und nicht gegen den Willen einer großen Anzahl Gemeindeglieder erfolgen. Deswegen bittet der Kirchenvorstand herzlich darum, dass Sie ihm positive wie negative Erfahrungen mit der jetzigen Regelung mitteilen.

Thomas Hegner, Pfr.
Glaube
und heute
 
Fast 500 Jahre sind vergangen, seit Martin Luther die Bedeutung des Glaubens wieder entdeckt hat.
Wichtig ist für mich heute das Bild Gottes, das sich aus seinen Gedanken ergibt. Das ist kein Gott, vor dem man sich verstecken muß, keine Krämerseele, die penibel Buch führt über meine Fehler, sondern einer, der mir mit einem "Sympathievorschuß" begegnet und um mich wirbt. Ich erinnere mich sehr gut daran, wie befreit ich aufatmete, als dieses Bild Gottes in mir an die Stelle eines anderen trat, das in meiner Kindheit aus Sätzen wie "Der liebe Gott sieht alles" erwachsen war.
Glaube, auch das lerne ich von Luther, meint: mit Haut und Haaren zu vertrauen. Loszulassen von dem Gedanken, ich könnte und müßte mir meinen Platz vor Gott erarbeiten. Leben in der befreienden Gewißheit, daß ich den schon habe.
Schwer tue ich mich allerdings mit der pessimistischen Sicht des Menschen, die Luthers Glaubensbegriff zugrunde liegt.
 
Wo Glaube werden soll, da muß Gottes Geist den Menschen schon fast vergewaltigen, oder, um mit Worten zu sprechen, die mancher vielleicht noch aus dem Konfirmandenuntericht kennt: muß „der alte Adam“ in uns „ersäuft werden“. Und zwar jeden Tag neu. Ein Gedanke, der in der Vergangenheit zu einem ausgeprägten Gefühl der Unwürdigkeit unter Evangelischen geführt hat.
Ich glaube: was von Gott geschaffen ist, kann nicht von Grund auf böse sein. Und so traue ich uns die Kraft zum Guten zu. Und ich sehe mich in die Verantwortung gerufen. Luther betont: der Glaube hat mit Gott zu tun. Die Propheten des Alten Testamentes ergänzen: Glaube hat mit Menschen zu tun. Wo Reiche neben Hungernden schwelgen, da ist kein Glaube. Glauben heißt Unrecht überwinden. Denn nicht nur ich, sondern jeder Mensch hat ein Anrecht auf den Platz, den Gott ihm bereitet hat.

Thomas Hegner, Pfr.
Versöhnung
keine einfache Angelegenheit
 
„Versöhnung“ ist ein Begriff, der mich sehr beschäftigt. Unsere Gemeinde führt ihn im Namen. „Versöhnungsgemeinde“ nennen wir uns, eingedenk der zeitgeschichtlichen Rahmenbedingungen, die zur Gemeinde- gründung geführt haben. Das Gelände an der Schlesierstraße diente unter dem Naziregime als Kriegsgefangenenlager, nach 45 wurden in den Baracken die Täter der Vorjahre untergebracht und von Seelsorgern betreut. Der in Moosburg tätige evangelische Pfarrer kümmerte sich auch um die zahlreichen Vertriebenen aus Osteuropa - der Beginn der heutigen Gemeinde.
Die historischen Daten deuten darauf hin: Versöhnung ist keine einfache Ange- legenheit. Versöhnung hat zu tun mit Schuld, mit Verletzungen, mit Wunden, die mitunter lange Zeit nicht heilen wollen. Versöhnung hat zu tun mit Gräben, und mit dem Willen, sich über diese Gräben hinweg die Hand zu reichen, eine Zukunft zu gestalten, die der schuld- und leidbehafteten Vergangenheit zum Trotz eine gemeinsame sein soll. Das fordert beiden Seiten viel ab: den Einen den Mut, Schuld einzugestehen, den Anderen die Größe, im Gegenüber nicht nur den Schuldigen, sondern auch den Menschen zu sehen.
Versöhnung ist lebensnotwendig. Des- wegen ist Gott Mensch geworden, deswegen hat er am Kreuz für uns Schuld auf sich genommen. Mit dem Licht des Ostermorgens beginnt eine neue, versöhnte Zukunft Gottes mit uns Menschen, in der wir befreit von Schuld und Angst zu einem gerechten, friedfertigem und rücksichtsvollen Miteinander ansetzen können.
 
thomas hegner Es bleibt uns aufgetragen die Versöhnung mit der Schöpfung, in die Gott uns gesetzt hat. Der Warnsignale sind viele, aktuell unübersehbar die BSE-Krise. Sie macht auf erschreckende Weise deutlich, dass Leben in Gefahr gerät, wo nicht wirtschaftliche Interessen und das Recht der Schöpfung auf einen respektvollen Umgang mit ihr miteinander abgeglichen werden.
Es bleibt uns aufgetragen die Versöhnung mit den „Fremden“ in unserem Land. Ein bißchen lacht der Junge auf dem Titelphoto, ein bißchen versteckt er sich. Er tut das aus leidvoller Erfahrung, die, wenn nicht er, so doch ungezählte andere mit dunkler Hautfarbe oder krausen Haaren im Deutschland des Jahres 2000 haben machen müssen. Ob er einen derer kannte, die letztes Jahr wegen ihrer Hautfarbe in unserem Land umgebracht wurden?
Wenn ich an diese Menschen denke, bin ich nicht stolz, Deutscher zu sein. Nein, ich schäme mich. Und ich nehme mir vor, nicht mehr zu schweigen, wenn ich die immer gleichen tumben Sprüche höre, nicht mehr weg zu sehen, wo mein Nächster bedroht wird. Und Sie, die Sie wie ich Mitglied der Versöhnungsgemeinde Moosburg sind, fordere ich auf, Gleiches zu tun.


Thomas Hegner, Pfr.
März 2001
Herbstgedanken
Alles hat seine Zeit
 
Liebe Leser, liebe Leserinnen die Tage sind kürzer geworden, die Nächte kälter, Blätter beginnen zu fallen. Der Sommer ist vorüber, und mit ihm für die allermeisten die Zeit der Ferien. Ich hoffe, Sie hatten, wo auch immer, gute und erholsame Wochen. „Ein jegliches hat seine Zeit, und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde“ - Worte aus einem bekannten Text der Bibel. Der angebrochene Herbst wird für vieles die Zeit heranbringen. Es ist die Zeit der Ernte auf den Feldem. In der Natur neigt sich so das Jahr bereits dem Ende entgegen. In den Schulen beginnt das Jahr dagegen gerade in diesen Wochen. Ein Neubeginn für nicht wenige Schüler und Schülerinnen, vielleicht in einer neu zusammengestellten Klasse oder an einer anderen Schule. Für die Kleinen der erste Schultag. Auch für den einen oder anderen Erwachsenen bedeuten diese Monate aufgrund beruflicher oder privater Veränderungen einen Neustart. Für nicht wenige bedeutet der Herbst noch einmal eine Zeit des Abschiedes. Wenn das Licht karger wird, die Abende länger, da wandern die Gedanken zurück zu lieben Menschen, die im Laufe des vergangenen Jahres gestorben sind. So ist es kein Zufall, dass das Kirchenjahr im November mit dem Gedenksonntag für die Toten zu Ende geht.
 
thomas hegner Dass „Licht aufgehe über denen, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes“ - von dieser Hoffnung singt Zacharias, der Vater Johannes des Täufers, in seinem Loblied, das in den Gottesdiensten zum ersten Advent seinen Platz gefunden hat. Die Zeit des Wartens und der Vorfreude auf das Weihnachtsfest nimmt damit ihren Anfang. „Ein jegliches hat seine Zeit. Weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; sterben hat seine Zeit, geboren werden hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit.“ Die das schrieben, die wussten zugleich ihre Zeit geborgen in der Hand Gottes. Und auch wir können wissen, dass es keine Zeit gibt, und keinen Gemütszustand, mit dem wir Gott ungelegen kämen. Mit unserer Freude und mit dem Leid, das uns bedrückt, wenn es Grund zur Feier, und wenn es Anlaß zur Klage gibt, sind wir ihm willkommen. Dass Sie Ihre Zeit als Zeit mit Gott leben, zu Hause, im Berufsleben, und in der Gemeinde, dazu lade ich Sie ein. Unserer Gemeinde wünsche ich, dass sie sich, sei es in gemeinsamen Gottesdiensten, sei es in anderen Veranstaltungen, sei es in Gesprächen unter vier Augen, als ein Ort erweist, an dem viele mit ihren Freuden, Sorgen und Fragen Zeit und Raum finden.


Thomas Hegner, Pfr.
März 2001




 
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