Gedanken für den 22. Mai 2020 - Ist das die von uns erschaffene Welt? (Queen)

Das Stück „Is this the World that we created…?“ ist das letzte und kürzeste auf dem 11. Album "The Works" der britischen Rockband Queen, das 1984 erschien. Entstanden ist es nach Aussagen von Freddie Mercury, dem Sänger der Band unter dem Eindruck von Berichten über die Armut vieler afrikanischer Menschen – der Eindruck dieses Leides führte im Jahr darauf unter anderem zum ersten weltweiten Musikevent „Live Aid“.

 

(Queen: Is this the World we created...?, Live at Live Aid 1985)

Just look at all those hungry mouths we have to feed
Take a look at all the suffering we breed
So many lonely faces scattered all around
Searching for what they need.

Is this the world we created?
What did we do it for?
Is this the world we invaded
Against the law?
So it seems in the end.
Is this what we're all living for today?
The world that we created.

You know that everyday a helpless child is born
Who needs some loving care inside a happy home
Somewhere a wealthy man is sitting on his throne
Waiting for life to go by.

Is this the world we created?
We made it on our own.
Is this the world we devastated
Right to the bone?

If there's a God in the sky looking down,
What can he think of what we've done
To the world that He created?

Betrachte einfach all die hungrigen Münder, die wir versorgen müssen.
Wirf einen Blick auf all das Leiden, das wir erschaffen.
So viele einsame Gesicher sind rund um uns herum
die nach dem Nötigsten suchen.

Ist das die Welt, die wir erschufen?
Warum haben wir das getan?
Ist das die Welt,
in die wir gegen das Gesetz eingedrungen sind?
Am Ende scheint es also als wäre das alles,
wofür wir heute alle leben?
Die Welt, die wir erschufen.

Du weisst, das jeden Tag ein hilfloses Kind geboren wird,
das liebevolle Pflege und ein glückliches Zuhaus braucht.
Irgendwo sitzt ein reicher Mann auf seinem Thron
und lässt sein Leben achtlos an sich vorbeiziehen.

Ist das die Welt die wir erschufen?
Wir haben sie uns untertan gemacht.
Ist das die Welt,
die wir bis auf die Knochen verwüstet haben?
Wenn es einen Gott gibt, der vom Himmel herunterschaut,
was wird er denken von dem,
was wir der Welt angetan haben,
die Er erschaffen hat?

Wir neigen als Europäer in diesen Zeiten besonders dazu, uns gedanklich in unserem eigenen Dunstkreis zu bewegen. In den Zeiten der „freiwilligen Selbstisolation“ war das besonders stark zu merken – kaum eine Nachricht aus dem Ausland fand sind in den meisten Zeitungen, das Hauptthema war der Umgang der eigenen Umgebung, des eigenen Landes mit dem Corona-Virus.
Nur langsam, wie ich finde, weitet sich der Blick wieder nach außen – wie gehen die europäischen Länder damit um, die nicht wie Österreich und Frankreich direkt an Deutschland grenzen? Vielleicht hängt das ja mit den nahenden Ferienzeiten und -zielen zusammen – ich würde mir wünschen, dass mehr dahintersteckt….

Wir sind als Menschen auf dieser Welt nie alleine, und wir haben als Bewohner*innen der „ersten Welt“ die Pflicht und Schuldigkeit, auch auf die Teile der Welt zu sehen, die uns unseren Reichtum ermöglichen und stützen. Die Vernetzung, die wir in den letzten Jahrzehnten durch das Internet erreicht haben, muss nicht nur eine Information der Köpfe, sondern auch der Herzen zur Folge haben. Wir wissen heute bestimmt mehr über die Situationen auf der Welt als noch vor 20 Jahren – oder besser gesagt, wir könnten es wissen, wenn wir mit offenen Augen und Ohren durch die Medien der Welt wandern würden, anstatt uns nur in unserem – zugespitzt gesagt – eigenen Hinterhof aufzuhalten.

Als praktischen Vorschlag empfehle ich, einmal gezielt in der internationalen Presse zu anderen Ländern und deren Problemen zu lesen – beispielsweise in der amerikanischen New York Times oder dem britischen Guardian, der in Israel erscheinenden Ha'Aretz oder in den deutschsprachigen Ausgaben der Le Monde Diplomatique oder der eidgenössischen Neuen Zürcher Zeitung.

Ein weiterer Blick in die Welt ermöglicht es uns auch, mehr als nur unseren manchmal festgefahrenen Ausschnitt zu sehen und mit anderen Mentalitäten in Kontakt zu kommen - selbst wenn das nur vermittelt über Zeitungen passiert. Und ich bin mir sicher, dass "Er" (von dem ich glaube, dass es der weltschaffende und -erhaltene Gott ist, den wir "Vater" nennen können) nach wie vor seine Welt für eine gut geschaffene hält und uns nicht alleine lässt, auch wenn wir oft nicht daran denken, dass wir als Menschen zusammen die Hüter und Bewahrer dieser Welt und der Menschlichkeit geworden sind.

(Christian Weller)