Gedanken für den 15. Juni 2020 - Handeln als Person

Immer wieder gibt es in unserem Kirchenvorstand Diskussionen, ob wir im Gemeindebrief, auf der Homepage oder in der Presse nicht davon absehen sollten, für jeden Gottesdienst zu benennen, welcher Haupt- oder Ehrenamtliche den Gottesdienst leitet. Der Besuch von Gottesdiensten solle doch unabhängig von den leitenden Personen sein. Und es wäre unfair, wenn Menschen nur zu bestimmten Pfarrern oder Pfarrerinnen, zu ausgewählten Lektoren oder Prädikantinnen in den Gottesdienst gingen. Der Ablauf sei doch weitgehend der gleiche und Gott könne uns in jeder Predigt etwas zusprechen, das wir in unseren Alltag mitnehmen können, sofern wir uns nicht dagegen sperrten. Das ist sicher richtig.

Milkyway
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Dennoch haben die meisten von uns in ihrem Leben die Erfahrung gemacht, dass zwei Menschen uns das Gleiche sagen können, wir es aber völlig unterschiedlich aufnehmen. Das wird schon an der einfachen Frage deutlich: „Warum hast du das so gemacht, wie du es gemacht hast?“ Von freundlichem Interesse bis zu deutlicher Kritik kann alles in dieser Frage stecken. Wie Sie sie verstehen und beantworten, ob Sie sich kritisiert, kontrolliert oder anteilnehmend begleitet fühlen, hängt ganz wesentlich davon ab, in welcher Beziehung Sie zu dem oder der Fragenden stehen und welche Haltung Sie hinter der Frage des Gegenübers vermuten. Es macht also doch einen Unterschied, wer etwas sagt.

Im Wochenspruch für diese Woche heißt es: Christus spricht zu seinen Jüngern: „Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.“(Lukas 10,16). Wir sind die Nachfolgerinnen und Nachfolger dieser Jünger. Dass uns zugehört wird, ist die Voraussetzung dafür, dass Christus in unserer Welt Gehör finden kann. Das gilt für die ehrenamtliche Helferin in der Konfirmanden- oder Jugendarbeit, für den Leiter der Kantorei, für die Leiterinnen von Gebets-, Frauen- oder Seniorenkreisen, für die Mitglieder des Besuchsdienstes bis hin zu den Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorstehern, den Lektoren, Prädikantinnen, Pfarrerinnen und Pfarrern.

Wir alle finden vor allem dann offene Ohren, wenn wir zu uns selbst, unserem Glauben und unseren Zweifeln stehen, wenn wir also authentisch sind. Denn bereits bevor wir den Mund aufmachen, spürt unser Gegenüber unsere Haltung. Deshalb ist es für unsere Kirche (und damit meine ich jetzt nicht nur unsere örtliche Kirchengemeinde, sondern die weltweite Gemeinschaft der Christen) und - noch viel wichtiger - für die Botschaft Jesu entscheidend, ob wir als Christinnen und Christen echte Menschen mit positiver Ausstrahlung sind und ob das, was wir sagen und tun, von Herzen kommt. Dabei müssen wir weder fehlerfrei noch sündlos sein. Wir sind Menschen mit Seele, Herz und Verstand, und als solche sollten wir auch auftreten - nicht in mit der Wiedergabe von Floskeln, sondern mit unseren je eigenen Persönlichkeiten. Das ist genug, denn das ist ganz schön viel.