Gedanken für den 20. Juni 2020 - Weltflüchtlingstag

"Ich weiß ja nicht, ob Sie's wussten" - so startete der Kabarettist Rüdiger Hoffmann viele seiner Texte. Man neigt dazu, anzunehmen, dass man viel weiß, obwohl sich mit zunehmendem Alter zeigt, dass das nicht unbedingt der Wahrheit entspricht. Aristoteles, Philosph und Fragender, formulierte recht klar "Ich weiß, daß ich nichts weiß" und hielt sich damit offen, jederzeit zu lernen und Fehler zu machen.

weltflüchtlingstag
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Ich weiß nicht, ob Sie es wissen - aber heute, am 20. Juni, findet seit dem Jahr 2001 der "Weltflüchtlingstag" (siehe auch die Seite der Vereinten Nationen) statt. Direkt in unserer Nachbarschaft wohnen viele Menschen, die in ihrem Leben Flüchtlinge waren oder es noch sind. Beginnend mit den Sudetendeutschen, die Moosburg und Umgebung nach dem 2. Weltkrieg stark prägten über die Menschen, die in den letzten 40 Jahre hierher gekommen sind auf der Suche nach einer anderen Zukunft - ein flüchtender Mensch flüchtet oft vor etwas - das "Wohin" ergibt sich im Laufe des Lebens.

Das erste, was ich aus Erzählungen von Flüchtlingen gelernt habe, ist dies: die Flucht betrifft einen Menschen als Ganzes, aber bestimmt sie oder ihn nicht in ihrem oder seinem Wesen. Sie wird nicht von einer Mutter, einer Lehrerin, einer Uniprofessorin, einer Schreinerin, einer Laborantin oder Anwältin zu einem Flüchtling, sondern sie erhält einen neue Eigenschaft, in den Augen vieler auch ein Makel.

An einem Tag wie heute ist es wichtig, daran zu denken, wie viele Menschen wegen ihrer Religion, ihrer Ethnie oder ihres Wohnortes fliehen müssen. Es waren noch nie so viele wie zur Zeit. Die Bereitschaft zur Hilfe ist - das wissen wir aus Umfragen - sehr hoch, und doch stehen wir als Privatpersonen oft vor dem Dilemma, nicht zu wissen, was wir als einzelne tun können. Wir haben Menschen und Familien in der Gemeinde, die direkte, persönliche Hilfe leisten, und das sind Leuchttürme der Nächstenliebe in dem oft nebeligen Gebieten der Politik und Gesellschaft.

Es gibt aber auch einfache Wege, sich einzubringen - lesen Sie heute bewusst einen Artikel zum Thema, schreiben Sie vielleicht einer/m Abgeordnete/n mit der Bitte um Einsatz für mehr Hilfsprogramme vor Ort und im Rahmen von EU und UN, beteiligen Sie sich bei Unterschriftensammlungen, beispielsweise für bessere Finanzierungen von Bildungseinrichtungen in den griechischen Flüchtlingslagern (englische Seite).

"Ich war auf der Flucht, und ihr habt mich aufgenommen." (nach Matthäus 25) Nicht jeder kann das direkt tun, aber auch kleine Schritte, Beiträge und Informationen können schon viel ausmachen. Und ein paar Hundert Unterschriften zu rechten Zeit auf dem richtigen Tisch können durchaus einen Unterschied machen...

(Christian Weller)