Gedanken für den 3. April 2020 - Von der Hoffnung

Die drei Steine

„Wie lange kann ich noch leben

Drei flasche Kieselsteine aufeinander gestapelt
Bildrechte: twinlili / pixelio.de

wenn mit die Hoffnung
verlorengeht?“
frage ich die drei Steine

Der erste Stein sagt:
„Soviel Minuten du
deinen Atem anhalten kannst
unter Wasser
noch so viele Jahre“

Der zweite Stein sagt:
„Ohne Hoffnung kannst du noch
leben
solange du ohne Hoffnung
noch leben willst“

Der dritte Stein lacht:
„Das hängt davon ab was du
noch Leben nennst
wenn deine Hoffnung tot ist“

(Erich Fried)

Schon lange begleitet mich dieses Gedicht von Erich Fried. Er fragt sich, ob ein Mensch ohne Hoffnung überhaupt noch leben kann. Hoffnung gehört so sehr zum Wesen der Menschen, dass ein Mensch, der keine Hoffnung mehr hat, wie vor einer Wand steht. Es geht einfach nicht weiter.

Die Antworten der drei Steine kommen alle zum gleichen Ergebnis, auch wenn sie ganz unterschiedliche Wege beschreiten. Der erste Stein nimmt seine Antwort aus dem physischen Bereich. Ich stelle mir einen Schwimmer vor, der seinen Kopf unter Wasser hält. Wie lange ist das möglich? Ein geübter Schwimmer kann vermutlich so ein bis zwei Minuten den Atem anhalten. Dann wäre die Antwort des ersten Steins, dass ein Mensch, der die Hoffnung verloren hat, noch ein bis zwei Jahre leben kann.

Der zweite Stein bezieht sich auf den Willensbereich um die Frage zu beantworten. „Solange du noch leben willst“. Ein Betroffener mag fragen: „Was soll ich noch weiterleben ohne Hoffnung“, denn das Leben hat keine Aussicht, keinen Sinn, keine Zukunft mehr. Der Lebenswille bleibt letztlich nur dort erhalten, wo nach die Hoffnung besteht, dass es weitergehen wird.

Der dritte Stein setzt in seiner Antort die Hoffnung und das Leben gleich. Ist denn ein Leben ohne Hoffnung überhaupt noch ein Leben, zumindest ein menschliches Leben? Ist es nicht mehr ein Vor-sich-hin-Siechen, ein Sterben? Auch diese dritte Antwort ist wieder ein Hinweis auf das Ende des Lebens.

Wer einem Menschen zum Leben verhelfen will, ihn aufbauen, ermutigen, trösten möchte, der muss versuchen, ihm Hoffnung zu geben. „Ohne Hoffnung sprechen heißt ohne Güte sprechen“, hat Bert Brecht gesagt.

Als Menschen sind wir immer auf der Suche nach einer Hoffnung, die uns über alle Nöte hinweg trägt. Ob diese Hoffnung von Menschen erfüllt werden kann? Ich denke nicht. Unsere tiefe, ganz existentielle Hoffnung bleibt ohne Nahrung, wenn wir auf den Tod und nicht auf das Leben zuleben. Aber unsere Hoffnung wird dann nicht verloren gehen – egal wie viel über uns herein bricht – wenn die Botschaft von der Auferstehung in uns lebendig bleibt. So wollen wir auch dieses Jahr voller Hoffnung auf das Osterfest zugehen!

Aus dem Römerbrief, 5,1-5:
Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus.
Durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit, die Gott geben wird.
Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung,
Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

 


Gebet

Herr Jesus Christus,
keiner kann sich selbst Hoffnung geben.
Weil du in dieser Welt geboren,
gestorben und auferstanden bist,
hast du uns mit Hoffnung beschenkt.
Mit dieser Hoffnung können wir leben.

Viele von uns trauen ihr aber nicht,
so bleibt deine Hoffnung kraftlos.
Deshalb sind viele Menschen verzweifelt.
Deshalb finden viele keinen Sinn.
Deshalb wollen manche nicht mehr leben.

Herr Jesus Christus,
schenke uns neben dem Glauben und der Liebe
vor allem Hoffnung,
damit wir an das Licht glauben.
Schenke uns Hoffnung,
damit wir uns nach deinem Leben sehnen.
Schenke uns Hoffnung,
damit jede dunkle Nacht in einen hellen Morgen verwandelt wird.
Sei du unsere Hoffnung! Amen.


(Pfarrerin Regine Weller)